Wie entsteht Polyneuropathie?

21.06.2013
Als Polyneuropathie werden bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems bezeichnet, von denen gleich mehrere Nerven betroffen sind. Sie ähneln damit der Multiplen Sklerose, die das zentrale Nervensystem befällt. Ursächlich können Infektionen, diverse Erkrankungen sowie verschiedene Gifte sein.

Ursachen für die Entstehung von Polyneuropathien

Die Entstehung von Polyneuropathien kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen spielen Entzündungsreaktionen eine Rolle, die durch Bakterien, Viren und andere Erreger hervorgerufen werden. Zum anderen können Erkrankungen diverse Nerven schädigen. Hierzu zählen Leber- und Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen sowie Stoffwechselstörungen, zu denen der Diabetes mellitus gehört. Auch Umwelt- und sonstige Gifte können ursächlich für die Entstehung einer Neuropathie sein. Vergiftungserscheinungen treten zum Beispiel häufig beim unsachgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Insektiziden und Pestiziden auf. Aber auch bei Berufstätigen, die mit Blei und Thallium in Berührung kommen. Als Nebenwirkung etlicher Medikamente kann ebenfalls eine Polyneuropathie auftreten. Und nicht zuletzt führt der übermäßige Genuss von Alkohol zur Schädigung von Nerven. Man spricht von der Alkohol Polyneuropathie.

Symptome und Verlauf der Polyneuropathie

Die typischen Merkmale, die Betroffenen besonders stakr auffalen sind:

  • Betroffenen verspühren ein Ameisenlaufen an den Füßen und den Händen.
  • Einzelne Körperteile werden berührungs-, temperatur- und schmerzunempfindlich.
  • Die Reflexe werden schwächer und fehlen letztlich ganz.
  • Die Muskelkraft in den betroffenen Körperregionen schwindet.

Die Polyneuropathie kann Folgen nach sich ziehen, aus denen sich lebensbedrohliche Zustände entwickeln können. Die Betroffenen bemerken nämlich aufgrund der Unempfindlichkeit gegenüber mechanischen und thermischen Reizen Verletzungen erst spät oder gar nicht, so dass deren Behandlung unterbleibt. Hinzu kommt, dass Wunden ohnehin schlechter heilen. Ein Beispiel ist das diabetische Fußsyndrom. Weiterhin können körperliche Krankheiten lange unerkannt bleiben, weil die Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt ist.

Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen der Polyneuropathie

Selbsthilfe ist bei Polyneuropathien nicht möglich. Vielmehr muss deren Ursache ergründet werden. Sind Bakterien, Viren oder andere Keime die Auslöser, werden diese gezielt bekämpft. Insbesondere kommen bei der Behandlung Antibiotika zum Einsatz. Treten Polyneuropathien im Zusammenhang mit dem Diabetes mellitus auf, wird das Augenmerk auf die Regulierung des Blutzuckerspiegels gelegt. Zusätzlich können Alpha-Liponsäuren und das Vitamin B1 verabreicht werden. Auch die hochfrequente externe Muskelstimulation, durch die eine Verbesserung der Insulinsensitivität und der Stoffwechseleinstellung erreicht werden kann (siehe Rose et al), kann Besserung bringen. Haben Umwelt- oder sonstige Gifte die Nervenschädigungen ausgelöst, sind diese in der Folge zu meiden.

Eine bedeutende Rolle in der Behandlung von Polyneuropathien spielt die Schmerzlinderung. Häufig sprechen die Schmerzen auf typische Schmerzmittel nur unzureichend an. Vielmehr können Schmerzmittel bei längerfristiger Anwendung weitere Nervenschädigungen auslösen. Als wirksam haben sich Medikamente erwiesen, die zur Behandlung von Krampfleiden verwendet werden. Sie werden als Antikonvulsiva oder Antiepileptika bezeichnet. Unter anderem zählen hierzu Barbiturate und Suximide, die unter Umständen als Dauertherapie verabreicht werden. Auch Antidepressiva mit sedierender Wirkung können helfen, wenngleich auch diese negative Auswirkungen auf das Nervensystem entfalten können.

Neben der medikamentösen Therapie können andere Methoden der Schmerztherapie zum Einsatz kommen. Beispielsweise lassen sich Mittel aus der Lokalanästhesie an spezielle Nervenpunkte injizieren, welche die Schmerzleitung blockieren. Ergänzende Maßnahmen sind Schmerzbewältigungstrainings, die Schmerzakupunktur oder krankengymnastische Übungen. Das Autogene Training oder andere Stressbewältigungsprogramme können das Schmerzbewusstsein verändern und nervenberuhigend wirken.

Der Beginn jeder guten Therapie ist eine möglichst exakte Diagnose. Für einen ersten Eindruck, der eine ärtzliche Behandlung nicht(!) ersetzen kann, bietet hhp ein online Tool zur bestimmung der persönlichen Polyneuropathie-Schmerzen an, welches die Behandlung von Polyneuropathie unterstützen kann.

Der Polyneuropathie Schmerztest von hhp
Mit einfachen Fragen führt der hhp-Schmerztest zum Ergebnis.

Sind die Ursachen für die Entstehung einer Polyneuropathie beseitigt, kann es zur vollständigen Heilung kommen, sofern die Nervenschädigungen nicht zu stark ausgeprägt sind.

Alkohol Polyneuropathie bedarf einer besonderen Behandlung

Bei der Alkohol Polyneuropathie kommt es aufgrund eines erhöhten Alkoholkonsums zu Vergiftungserscheinungen, die wiederum zu Nervenschädigungen führen. Aufgrund der exzessiven Lebensweise und der damit verbundenen unausgewogenen Ernährung können Mangelerscheinungen auftreten, die das Nervensystem schwächen. Auch bei der Alkohol Neuropathie treten typische Beschwerden einer Polyneuropathie auf, die sich in Taubheitsgefühlen an Händen und Füßen, Kribbeln, Missempfindungen und brennenden Schmerzen äußern. Wadenkrämpfe sowie motorische Störungen können hinzukommen. Ebenso treten als Crampi bezeichnete Muskelzuckungen auf.

Der Polyneuropathie Schmerztest von hhp
Alkoholiker können an einer Alkohol Polyneuropathie erkranken.
(Lizenz: CC BY 2.0 von Imagens Evangélicas auf flickr)

Der wichtigste Schritt in der Behandlung der Alkohol Neuropathie ist das Erzielen einer Alkoholabstinenz. Weiterhin können B1-Vitamingaben dazu beitragen, dass sich geschädigte Nervenzellen regenerieren. Die bereits beschriebenen Medikamente helfen auch bei der Alkohol Polyneuropathie, Schmerzen zu lindern.