Harninkontinenz bei Multipler Sklerose

12.07.2012
Harninkontinenz ist ein mögliches Anzeichen für Multiple Sklerose oder andere Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus und Morbus Parkinson) sein, wird jedoch oft unterschätzt.

Blasenstörungen bei Multipler Sklerose

Der Grund für das häufige Auftreten von Blasenstörungen bei Multipler Sklerose ist, dass die Blase von Nerven kontrolliert wird, die sehr viel Angrifsfläche für MS-Herde bieten. Insgesamt gibt es drei Blasenstörungen, die dadurch verursacht werden können:

  1. Detrusor-Hyperreflexie: Der Harndrang steigt sehr schnell an und kann so groß werden, dass der Schließmuskel ihm nicht standhalten kann und es zu Inkontinenz kommt.
  2. Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie: Die Blase entleert sich nicht vollständig, weil Harnröhre und Schließmuskel nicht korrekt zusammenarbeiten
  3. Detrusor-Hyporeflexie: Die Blase entleert sich nicht vollständig, weil die Blase zu schlaff ist.

Behandlung

Je nach dem, unter welcher Form der Blasenstörungen Sie leiden, können verschiedene Behandlungen sinnvoll sein. Viele Diskussionen und Erfahrungsberichte gibt es im MS Forum der Inkontinenz Selbsthilfe e.V.. Verbreitet sind diese Ansätze:

  • Eine Änderung der Trink- und Toilettengewohnheiten
  • Gezielte Übungen zur Strärkung des Beckenbodens
  • Medikamente zur Reduzierung des Harndrangs
  • Eine Operation
  • Einlagen, die geringe Mengen Urin aufsaugen und den Geruch binden
  • Inkontinenz-Hosen
  • Für Frauen: Harnröhrenstöpsel, Spezial-Tampons und Pessare
  • Für Männer: Penisringe, Kondomurinale

Andere Gründe

Natürlich kann es auch andere Gründe als MS für eine Harninkontinenz geben. Zum Beispiel diese:

Prostatavergrößerung

In den meisten Fällen ist eine Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) für Harninkontinenz verantwortlich. Die Prostata drückt durch ihre Ausdehnung auf die Harnröhre und beeinflusst so die Funktionalität der Blase. Dies kann dazu führen, dass keine vollständige Entleerung der Blase mehr möglich ist. Man spricht dann davon, dass Restharn in der Blase verbleibt. Neben einem gesteigerten Risiko von Harnwegsinfektionen und Blasensteinen kann dies auch eine dauerhafte Überdehnung des Blasenmuskels verursachen. Auf dieser weiterführenden Seite finden Sie alles, was Sie über eine Prostatavergrößerung & BPH (benigne Prostatahyperplasie) wissen sollten.

Prostataentfernung

Auch eine Prostataentfernung (Prostatektomie), wie sie zum Beispiel bei einem Prostatakarzinom durchgeführt wird, kann zu Harninkontinenz führen. Meistens handelt es sich in diesem Fall um Urinverlust, der nur bei einer Druckerhöhung im Bauchraum auftritt. Solcher Druck kann beim Lachen, Niesen oder Husten entstehen.
Schuld ist in der entweder die Tatsache, dass die Prostata keine Stütze mehr für den Blasenhals ist oder eine Beschädigung an einem Muskel oder Band während der Operation. Das Fachwort für diese Form der Inkontinenz ist Belastungsinkontinenz. Weitere Informationen zur Erkrankungen und Behandlungen bietet Docjones.de