Private Krankenversicherung als chronisch Kranker?

28.03.2012

Chronisch Kranken, zu denen auch MS-Leidende gehören, wird oft die gesetzliche Krankenkasse empfohlen, was schwer zu pauschalisieren ist. Es hängt tatsächlich vom Lebensalter und der Krankheit selbst ab, ob sich eine bezahlbare private Krankenkasse finden lässt, die eine bessere Versorgung der Krankheit gewährleistet. Das bedeutet, wenn Sie während der chronischen Erkrankung zwischen beiden Systemen wechseln möchten - also von der GKV in die PKV oder umgekehrt -, müssen Sie sich vorab gut informieren.

Leistungen und Vorzüge der gesetzlichen Krankenversicherung

Prinzipiell steht der Tarif in der gesetzlichen Krankenversicherung über das Einkommen fest, abgesehen von gesetzlichen Änderungen oder einem Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse sind also keine Überraschungen zu befürchten. Zwar gibt es Zuzahlungen bei der GKV, für chronisch Kranke werden diese jedoch auf ein Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens begrenzt. Allerdings müssen Sie sich als chronisch Kranker hierzu absolut therapiegerecht verhalten, und die Krankenkasse muss Ihre Krankheit als chronisch anerkennen. Das ist der Fall, wenn Sie mindestens ein Jahr lang einmal im Quartal wegen derselben Krankheit behandelt werden und/oder pflegebedürftig ab Stufe II sind. Auch ein Behindertengrad ab 60 Prozent und/oder eine Erwerbsminderung um 60 Prozent führt zur Begrenzung der Zuzahlung. Es wird dann ärztlich festgestellt, dass ohne die kontinuierliche Behandlung eine wesentliche bis lebensbedrohliche Verschlechterung eintreten würde.
Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Behandlung als chronisch Kranker innerhalb der GKV und ihren definierten Leistungen garantiert. Diese Behandlung kann jedoch bei bestimmten Krankheitsbildern als unzureichend empfunden werden oder es tatsächlich - auch aus objektiv-medizinischer Sicht - sein. Also stellt sich die Frage nach einem Wechsel in die private Krankenversicherung.
Auch wenn ein Wechsel in die private Krankenversicherung nicht attraktiv ist, kann man als gesetzlicher Kassenpatient in den Genuss privater Leistungen kommen: Der Trick lautet private Krankenzusatzversicherung und ermöglicht die Zubuchung einzelner, den individuellen Bedürfnissen angepasster, Leistungen, wie etwas eine Chefarztbehandlung. Intergrundinformationen zur Krankenzusatzversicherung finden sich unter http://www.pkv-vergleich.net/krankenzusatzversicherung/.

Eine attraktive Krankenschwester in einer Bar.
Auch private Krankenzusatzversicherungen haben Grenzen: Die Behandlung durch eine so attraktive Krankenschwester kann keine Versicherung garantieren.

Private Krankenversicherung für chronisch Kranke

Die Beiträge in der PKV errechnen sich aus dem Alter und dem Gesundheitszustand eines Versicherungsnehmer. Bei einem Neuabschluss einer Police müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden, bei einem erhöhten Risiko wird sich der Beitrag zwangsläufig verteuern. Das betrifft ausdrücklich nicht Versicherungsnehmer, die bereits privat versichert sind. Wenn diese chronisch erkranken, ändert sich an ihrem individuellen Beitrag nichts. Dieser kann zwar steigen, wie er generell in der PKV gelegentlich steigt. Das hat aber nichts mit der individuellen Krankheit zu tun. Sollten Sie also privat versichert und mit den Leistungen zufrieden sein, behalten Sie am besten Ihren Versicherungsschutz. Sie müssen Ihre Versicherung auch nicht gesondert über Ihren veränderten Gesundheitszustand informieren. Sie erfährt dies ohnehin durch die eingereichten Rechnungen. Die Kasse hat beim Abschluss der Police das Risiko in Kauf genommen, dass Sie als Versicherungsnehmer im Laufe der Jahre chronisch erkranken. Ein Problem ergibt sich allerdings, wenn Sie zwar Privatpatient bleiben, aber die Versicherungsgesellschaft wechseln möchten. Dies ist für jeden - auch völlig gesunden - Versicherungsnehmer mit einer Neueinstufung allein aufgrund des höheren Alters verbunden. Bei einem nunmehr chronisch Kranken würde sich anhand der Gesundheitsfragen der Tarif zusätzlich verteuern.
Beitragserhöhungen gibt es für alle Versicherten der PKV, sie betreffen stets die Tarifgemeinschaft einzelner Tarife, oft nahezu alle Versicherungsnehmer der entsprechenden Gesellschaft. Eine rein individuelle Beitragserhöhung - aufgrund welcher Krankheit auch immer - kann es nicht geben. Die Gesellschaft kann Ihnen auch nicht aufgrund der Erkrankung die Police kündigen.

Wechsel zwischen den Systemen

Wie eingangs erwähnt ist der Tarif bei einem Wechsel in die PKV von verschiedensten Faktoren abhängig, weshalb hier ein Vergleich nötig ist. Wenn Sie als gesetzlich Versicherter eine PKV finden, die nicht mehr kostet als Ihre GKV (bei vollem Versicherungsschutz), dann wählen Sie diese Police. Umgekehrt können Sie bei einem schwachen Schutz durch die PKV auch in die GKV wechseln, wenn ein verbesserter privater Schutz einen neuen Tarif mit neuer Gesundheitsprüfung und sehr viel höheren Kosten bedingen würde. Das ist aber bei der eigenen Gesellschaft nicht die Regel, nur beim Wechsel zu einer anderen PKV. Sollten Sie jedoch über eine Police mit sehr hoher Selbstbeteiligung verfügen, chronisch erkranken und unter 55 Jahre alt sein, könnte der Schritt in die GKV sinnvoll sein.