Alkohol und Rauchen bei Multipler Sklerose

30.01.2012

Multiple Sklerose ist eine chronische Krankheit, die schleichend oder in Schüben fortschreitet und nach dem heutigen Stand der Medizin zwar therapierbar, aber nicht heilbar ist. Die Ursachen der Krankheit sind noch nicht umfassend geklärt. Jedoch weiß man, dass die körpereigenen Immunzellen im Nervensystem eine Entzündung an der Hülle der Nervenzellen, der Myelinschicht, auslösen und es dadurch zu physiologischen Ausfallerscheinungen kommt.

Multiple Sklerose und Nikotingenuss

In einer wissenschaftlichen Studie der Harvard-Universität mit zwei Gruppen MS-Erkrankter, von denen die eine Gruppe rauchte oder in der Vergangenheit geraucht hat und die andere Gruppe aus Nichtrauchern bestand, konnte festgestellt werden, dass Rauchen die Erkrankung der Multiplen Sklerose beschleunigt. Die giftigen Inhaltsstoffe des Tabaks wie beispielsweise Zyanide greifen die Myelinschicht der Nervenzellen zusätzlich an. Zudem schwächt der Genuss von Tabak das Immunsystem und leistet damit dem allmählichen Fortschreiten der Krankheit Vorschub, indem es neue Schübe provoziert. Auch wird bei Rauchern häufig die progreniente, also schleichende Form der Multiplen Sklerose mit nicht reversiblen Beschwerden beobachtet, während Nichtraucher eher an der schubweisen Form leiden, deren Beschwerden teilweise remittierend sind, sich also wieder zurückbilden können. Dabei ist die Form der Aufnahme des Nikotins unerheblich. Auch Passivrauchen kann die Symptome der Multiplen Sklerose verschlimmern.

Eine junge Frau raucht eine Zigarette.
Noch ist nicht eindeutig geklärt, ob Nikotin schlecht für MS-Erkrankte ist. Es deutet aber alles darauf hin.

Noch sind sich die Wissenschaftler nicht ganz einig darüber, ob Rauchen für MS-Erkrankte schädlich ist, obwohl eine weitere wissenschaftliche Studie darauf hinweist, dass das Gehirnvolumen von rauchenden MS-Erkrankten schneller abnimmt als bei nichtrauchenden Patienten mit Multipler Sklerose. Rauchen wird sogar von vielen Medizinern als einer der Risikofaktoren bzw. auslösenden Faktoren für die Multiple Sklerose angesehen, denn zahlreiche Erkrankte haben bereits in jungen Jahren vor Ausbruch der Krankheit mit dem Rauchen begonnen. Doch erst wenn ein eindeutiger wissenschaftlicher Zusammenhang zwischen dem Rauchen und der schädlichen Wirkung des Nikotins auf das Fortschreiten der Multiplen Sklerose nachgewiesen werden kann, kann auch eine eindeutige Empfehlung ausgesprochen werden. Solange gilt: Rauchen ist vermutlich schlecht für MS-Kranke.

Multiple Sklerose und Alkohol

Für den Genuss von Alkohol bei einer MS-Erkrankung gilt, dass ein Glas Wein oder Bier am Tag keine schädlichen Auswirkungen auf das Fortschreiten der Krankheit hat. Im Auge behalten sollte man aber die Wechselwirkungen von Alkohol und der verordneten Medikamente. Dies kann man am besten mit dem behandelnden Arzt abklären. An dieser Stelle darf natürlich der Hinweis nicht fehlen, dass regelmäßiger Alkoholkonsum zu einer Suchterkrankung führen kann.

Alkohol wird mit dem Blut im gesamten Körper verteilt und beeinflusst das zentrale Nervensystem. Er übt - wenn er regelmäßig in großen Mengen konsumiert wird - eine zusätzliche zerstörerische Wirkung auf die Myelinschicht der Nervenzellen aus, die das allgemeine Krankheitsbild und einzelne Symptome wie Koordinierungsverlust, Gangunsicherheit, Sehstörungen, Schwindelgefühle etc. noch verstärken. Zudem schwächt der Alkohol die Wirkung verschiedener Medikamente ab. Viele Mediziner sind der Meinung, dass gelegentlicher, maßvoller Alkoholgenuss keine negativen Auswirkungen auf das Fortschreiten der Multiplen Sklerose hat.